Wir stehen mit uns selbst, unseren Mitmenschen, unserer Familie, der Gesellschaft, Tieren, Dingen, Ideen und der Welt – und damit letztlich mit dem Universum – in Beziehung. Der unmittelbare Zugang zu all dem führt über unsere Sinne.
Wir nehmen Reize und Impulse aus unserer Umwelt auf und verarbeiten sie in unserem Gehirn. Dabei geben wir dem Erlebten Bedeutung – geprägt durch unsere Erfahrungen in unserer Sozialisierung. Wir reagieren also nicht rational auf das, was ist, sondern immer subjektiv, also auf das Gefühl was die Bedeutung dir wir der Welt, den Menschen und Ideen zuschreiben in uns auslöst.
Bereits im Mutterleib nehmen wir unsere Mutter und ihre Umwelt unmittelbar und mittelbar wahr. Wir sind ihren körperlichen und emotionalen Reaktionen und Erleben ausgesetzt und beginnen, erste Muster von Regulation, Sicherheit und Beziehung über unsere Sinne wahrzunehmen und zu verinnerlichen. Gleichzeitig entstehen im sich entwickelnden Gehirn erste neuronale Verknüpfungen. So beginnt unsere Sozialisierung bereits früh im Bauch der Mutter.
Unsere Beziehung zur Welt wird zunächst maßgeblich durch unsere Eltern und andere enge Bezugspersonen geprägt. Sie leben uns vor – bewusst und unbewusst –, wie Beziehung funktioniert. Durch sie erfahren wir, ob die Welt für uns grundsätzlich ein sicherer Ort ist oder ob wir mit Gefahren, Ablehnung, Unberechenbarkeiten oder emotionalen Verletzungen rechnen müssen.
Wie Mama und Papa mit uns umgehen, prägt unser Selbstbild und unser Weltbild sowie unsere Erwartungen an das Verhalten anderer Menschen. Es beeinflusst, was wir unter Liebe verstehen, wie wir mit unseren Bedürfnissen umgehen, wie wir Nähe und Distanz erleben, Grenzen setzen, Vertrauen entwickeln und Konflikte führen. Es prägt wie mit Menschen umgehen und fremde Ideen und Gedanken einordnen. Und damit prägt es auch unseren Umgang/ Kontakt mit mit allem.
Die Beziehung der Eltern zu uns und die Beziehung der Eltern untereinander wir zum maßgeblichen Referenzpunkt, zur Blaupause für unser gesamtes Beziehungssystem und damit zum Baustoff unsere Realität und inneren Landkarte der Welt.
Wenn wir später mit Menschen, Situationen oder unserer Umwelt in Kontakt kommen, greifen wir auf diese frühen Erfahrungswerte zurück. Wir gleichen die Situation unbewusst mit dem ab was auf unserer inneren Festplatte gespeichert ist und reagieren gemäß alt Prägungen und Gewohnheiten auf Menschen und Umstände.
Im Laufe unseres Lebens sammeln wir neue Beziehungserfahrungen. Menschen begegnen uns, Beziehungen entstehen und enden. Wir erleben Nähe, Vertrauen, Enttäuschungen, Sicherheit, Verletzungen und Verbundenheit. Jede dieser verändert und erweitert die innere Landkarte. Und mit ihrer Veränderung kann sich unser Bezug zu unseren Mitmenschen, zu unserer Umwelt und letztlich auch zu uns selbst verändern.
Gerade in Situationen von Stress, Angst, Überforderung oder (scheinbarer) emotionaler Bedrohung greifen wir blitzschnell auf tiefsitzende Muster und Reaktionen zurück die uns schon in der Kindheit geholfen haben.
Der Referenzpunkt mit den Eltern bildet den Unterbau unserer inneren Realität: vertraute Reaktionsweisen, Schutzmechanismen und Notfallprogramme, die meist schneller aktiv werden, als wir bewusst eingreifen können. Wie wir mit der Welt interagieren ist deswegen meist keine bewusste Entscheidung, sondern eine intuitive, unbewusste Reaktion.
Unsere frühen Beziehungserfahrungen sind deshalb nicht einfach Vergangenheit. Sie wirken in der Gegenwart in uns und durch unser Verhalten weiter. Alles ins uns wächst und gedeiht auf dem Boden, der ersten Lebensjahre.
Wer sich selbst und sein Erleben der Welt wirklich verstehen will, kommt früher oder später nicht darum herum, sich der eigenen Sozialisierung zuzuwenden – und damit auch die Beziehung und gemachten Erfahrungen mit den eigenen Eltern (ganz unabhängig davon ob wir das toll oder nicht toll fanden was war).
Das kann ein großer Schritt sein.
Denn für viele Menschen sind die Eltern unantastbar. Für manche sind sie mit so viel Schmerz, Wut oder Enttäuschung verbunden, dass man sich ihnen und dem erlebten nicht mehr in der Tiefe widmen will.
Doch beides kann den Blick verstellen.
Es geht nicht darum, die Eltern anzuklagen. Und es geht ebenso wenig darum, alles zu entschuldigen was war.
Es geht schlicht darum, zu würdigen was war – und anzunehmen was davon heute noch durch uns hindurch in uns und im Kontakt mit der Welt in uns wirkt und bislang keine Beachtung gefunden hast.
In dieser Hinwendung zu unserer eigenen Geschichte können neue Türen aufgehen: zu Frieden, zu Freiheit und zu einer bewussteren Beziehung mit uns selbst, mit anderen und der Welt.
Denn das Entscheidende ist:
Unsere erste Beziehungserfahrungen sind kein Schicksal.
Denn wir können im Laufe unseres Lebens neue Erfahrungen machen. Wir können neue Referenzen entwickeln, alte Muster erkennen und andere Formen von Beziehung lernen.
Unsere innere Landkarte ist geprägt.
Aber sie ist veränderbar.
Coaching hilft.
Liebe Grüße
Julian