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Selbstreflexion3 Min. Lesezeit

Warum sich trotz Therapie und Coaching manchmal nichts verändert

Viele Menschen arbeiten jahrelang an sich, ohne ihre tief verwurzelten Muster wirklich zu verändern. Echte Heilung beginnt dort, wo wir unsere vertrauten Schutzmechanismen erkennen und uns dem Unangenehmen stellen. Denn wahre Veränderung entsteht außerhalb unserer gewohnten Denk- und Verhaltensmuster.

Ein quadratisches blaues Sackgassenschild mit weiß-rotem T-Symbol an einem Pfosten vor einer unscharfen Wohnstraße.
Oft höre ich von Menschen, die neu zu mir kommen: „Ich habe schon Therapie und Coaching ausprobiert – aber es verändert sich einfach nichts.“
Sie wechseln den Therapeuten, den Coach oder die Methode. Was sie nicht wechseln, ist ihr Beziehungsmuster. Sie bewegen sich unbewusst immer wieder innerhalb derselben Bindungsdynamik und wundern sich, warum das Ergebnis gleichbleibt.
Die unbequeme Wahrheit lautet: Viele Menschen investieren Jahre in ihre Heilung, ohne ihre eigentliche Wunde jemals zu berühren. Es ist, als würde man seine Gefängniszelle umdekorieren, Möbel umstellen, Bilder an der Wand umhängen und wundern, wieso man immer noch gegen die gleiche Wand läuft.
Nehmen wir einen Menschen mit einer starken Autonomietendenz. Er sagt: „Ich meditiere seit zehn Jahren, war auf unzähligen Retreats, habe jedes Buch über Trauma gelesen und gehe regelmäßig zum Energieheiler – trotzdem verändert sich nichts.“ Natürlich nicht. Denn all das dient der Überlebensstrategie, niemanden wirklich an sich und seine Gefühle heranzulassen.
Auf der anderen Seite steht ein Mensch mit starker Verschmelzungstendenz. Er besucht jedes Wochenende eine neue Fortbildung, knüpft ständig neue Kontakte und ist immer für andere da. Auch hier verändert sich nichts. Warum? Weil all diese Aktivitäten nur eine weitere Gelegenheit bieten, sich nicht mit sich selbst zu beschäftigen.
Beide glauben, sie arbeiten an ihrer Heilung. In Wirklichkeit perfektionieren sie ihre Überlebensstrategie. Der eine perfektioniert seine Einsamkeit. Der andere perfektioniert seine Abhängigkeit.
Das Problem ist, dass wir innerhalb unseres eigenen Horizonts nach Lösungen suchen. Wir versuchen, mit derselben Denk- und Wahrnehmungsstruktur aus dem Leid herauszukommen, die das Leid überhaupt erst erzeugt.
Das ist, als würdest du in einem tiefen Loch sitzen und glauben, die Lösung sei, noch tiefer zu graben. Aus der eigenen Sicht erscheint das völlig logisch. Schließlich kennt man nichts anderes. Genau deshalb ist das, was sich vertraut anfühlt, nicht heilsam.
Unser Nervensystem verwechselt Vertrautheit mit Sicherheit. Deshalb fühlt sich das Alte richtig und sicher an, selbst wenn es uns seit Jahrzehnten leiden lässt. Und genau deshalb fühlt sich der Weg der Heilung oft falsch und unsicher an. Er erzeugt Widerstand. Angst. Er konfrontiert dich mit dem, was du dein Leben lang irgendwie aus dem Weg gegangen bist.
Für einen Menschen mit starker Autonomietendenz bedeutet Heilung, sich emotional zu zeigen, sich bewusst für Nähe und Verletzlichkeit zu entscheiden. Für einen Menschen mit Verschmelzungstendenz bedeutet Heilung, sich primär um sich selbst zu kümmern.
Heilung fühlt sich am Anfang deshalb oft nicht wie Heilung an. Es fühlt sich an wie Kontrollverlust, manchmal sogar wie sterben und deshalb beginnt genau dort die Freiheit wo unsere Identität in eine Krise gerät.
Du siehst dich gerade in einer Lebenskrise? Ich helfe dir in im Online-Einzelcoachings wieder Boden unter den Füßen zu finden. Den Link zum kostenfreien Erstgespräch findest du hierunter.
Herzliche Grüße Julian
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